PROFIBUS vs PROFINET: Choosing the Right Industrial Network

PROFIBUS vs PROFINET: Die richtige industrielle Netzwerklösung wählen

PROFIBUS vs. PROFINET: Optimierung Ihrer industriellen Automatisierungsnetzwerkarchitektur

Die Wahl des richtigen Netzwerkprotokolls bestimmt den Erfolg Ihres Steuerungssystems. Ingenieure stehen in Siemens-Umgebungen oft vor einer entscheidenden Wahl: beim bewährten PROFIBUS bleiben oder auf das vielseitige PROFINET umsteigen. Diese Entscheidung beeinflusst Installationskosten, Diagnosemöglichkeiten und zukünftige Skalierbarkeit. Daher ist das Verständnis der technischen Feinheiten jedes Protokolls für eine effektive Fabrikautomation unerlässlich.

PROFIBUS verstehen: Der bewährte Standard für Feldbuskommunikation

PROFIBUS (Process Field Bus) stellt einen Meilenstein der Industriegeschichte dar. Ingenieure entwickelten dieses serielle Kommunikationsprotokoll Ende der 1980er Jahre, um Feldgeräteanschlüsse zu standardisieren. Es nutzt eine Master/Slave-Architektur über verdrillte Zweidrahtleitungen (RS-485). Folglich wurde es zum Standard für Altsysteme wie die Siemens S7-300 SPS und MICROMASTER-Antriebe.

Trotz seines Alters bleibt PROFIBUS robust. Viele bestehende Anlagen verlassen sich auf seine deterministische Leistung für den einfachen I/O-Datenaustausch. Es funktioniert zuverlässig in Umgebungen mit hoher elektrischer Störstrahlung. Allerdings begrenzen seine Bandbreitenbeschränkungen moderne datenintensive Anwendungen.

PROFINET: Revolutionierung der Konnektivität mit Industrial Ethernet

PROFINET ist der moderne Standard für Industrial Ethernet. Es ermöglicht eine Hochgeschwindigkeitssteuerung und umfassende Diagnoseübersicht auf dem Fabrikboden. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger unterstützt es sowohl Echtzeit- als auch isochrone Datenübertragung für präzise Bewegungssteuerung. Das macht es ideal für fortschrittliche S7-1500 SPS- und S7-1200-Anwendungen.

Dieses Protokoll bietet überlegene Flexibilität. Es ermöglicht die Integration von Antrieben, HMIs und Sicherheitssystemen über ein einziges Kabel. Darüber hinaus unterstützt PROFINET schnellere Inbetriebnahmezeiten. Ingenieure können Geräte aus der Ferne konfigurieren, was die physische Einrichtungszeit bei der Installation erheblich reduziert.

Analyse der wichtigsten technischen Unterschiede: Geschwindigkeit, Topologie und Skalierbarkeit

Die physischen Unterschiede dieser Protokolle bestimmen ihre Leistung. PROFIBUS basiert auf RS-485-Serientechnologie mit einer maximalen Geschwindigkeit von 12 Mbit/s. Im Gegensatz dazu nutzt PROFINET Standard-Ethernet (Cat5e/Cat6) und erreicht Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s oder sogar 1 Gbit/s.

Auch die Topologieoptionen unterscheiden sich erheblich. PROFIBUS erfordert eine strikte Daisy-Chain- oder Linien-Topologie. Fällt ein mittlerer Knoten aus, kann dies das gesamte Segment stören. PROFINET unterstützt hingegen Stern-, Linien-, Baum- und Ringtopologien. Diese Flexibilität ermöglicht redundante Pfade und erhöht die Systemzuverlässigkeit. Zudem begrenzt PROFIBUS Segmente auf 126 Geräte, während PROFINET eine praktisch unbegrenzte Anzahl von Knoten unterstützt.

Strategische Auswahl: Wann Legacy- oder moderne Protokolle einsetzen

Die Wahl von PROFIBUS ist oft sinnvoll bei „Brownfield“-Projekten. Wenn Sie ein stabiles System mit älteren I/O-Modulen warten, spart die Beibehaltung der vorhandenen Verkabelung Kosten. Die Nachrüstung von Legacy-S7-300-Systemen erfordert häufig den Verbleib im PROFIBUS-Ökosystem, um eine komplette Hardwareüberholung zu vermeiden.

PROFINET ist hingegen die bessere Wahl für „Greenfield“-Installationen oder größere Modernisierungen. Moderne Fabriken verlangen Datentransparenz für IIoT (Industrial Internet of Things)-Anwendungen. PROFINET bietet webbasierte Diagnosen und nahtlose Integration mit dem TIA Portal. Außerdem unterstützt es Sicherheitslogik (PROFIsafe) effizienter als serielle Legacy-Busse.

Implementierung hybrider Architekturen für nahtlose Systemmigration

Eine vollständige „Rip-and-Replace“-Strategie ist nicht immer notwendig. Hybride Architekturen erlauben eine schrittweise Einführung moderner Technologie. Siemens stellt Gateways wie den IE/PB Link bereit, um PROFIBUS-Slaves mit einem PROFINET-Master zu verbinden.

Dieser Ansatz bewahrt Ihre Investition in robuste Legacy-Antriebe und Sensoren. Gleichzeitig wird eine moderne DCS-Schicht (Distributed Control System) für bessere Datenanalysen eingeführt. Dadurch läuft der Betrieb während der Migration mit minimalen Unterbrechungen weiter.

Brancheneinblick von Ubest Automation Limited

Bei Ubest Automation Limited beobachten wir eine klare Verschiebung auf dem Weltmarkt. Während Ethernet-basierte Lösungen inzwischen über 65 % der neuen industriellen Knoten ausmachen, bleibt die Nachfrage nach Legacy-Teilen hoch. Viele kritische Infrastruktursektoren bevorzugen die „Set it and forget it“-Zuverlässigkeit von PROFIBUS.

Wir raten unseren Kunden jedoch, nach vorne zu blicken. Die langfristigen Gesamtkosten (TCO) von PROFINET sind aufgrund einfacherer Fehlerbehebung und der Verfügbarkeit generischer Verkabelung niedriger. Wenn Sie gerade eine kritische SPS austauschen, empfehlen wir dringend, eine PROFINET-Schnittstelle zu integrieren. So bereiten Sie Ihre Anlage auf zukünftige Digitalisierung vor, ohne sofort ein vollständiges Netzwerk-Upgrade durchführen zu müssen.

Technische Schlüsselpunkte Zusammenfassung

Geschwindigkeit & Bandbreite: PROFINET bietet bis zu 100 Mbit/s/1 Gbit/s im Vergleich zur 12 Mbit/s-Grenze von PROFIBUS.

Verkabelung & Topologie: PROFIBUS verwendet spezielles lila Zweidrahtkabel (Daisy-Chain); PROFINET nutzt standardisiertes grünes Industrial Ethernet (Stern/Ring/Linie).

Diagnose: PROFINET bietet detaillierte webbasierte und SNMP-Diagnosen, während PROFIBUS manuelle Werkzeuge oder spezifische Funktionsbausteine benötigt.

Adresszuweisung: PROFIBUS erfordert manuelle DIP-Schalter oder Softwareadressierung; PROFINET verwendet Gerätenamen und automatische Topologieerkennung.

Praxisbeispiel: Das schrittweise Upgrade

Die Herausforderung: Eine große Verpackungsanlage betrieb zwanzig S7-300 SPS, vernetzt über PROFIBUS. Die Geschäftsleitung wollte Produktionsdaten für ein OEE-Dashboard (Overall Equipment Effectiveness) erfassen, konnte sich aber keinen zweiwöchigen Stillstand für eine Neuverkabelung leisten.

Die Lösung: Wir empfahlen einen hybriden Ansatz. Die Kernsteuerungen wurden auf S7-1500 CPUs mit Dual-Ports (PROFINET und PROFIBUS) aufgerüstet. Die bestehenden Remote-I/O-Racks und Antriebe blieben im PROFIBUS-Netzwerk, ohne Neuverkabelung. Der PROFINET-Port wurde genutzt, um die CPUs zu vernetzen und Daten an das neue SCADA-System zu senden.

Das Ergebnis: Das Projekt wurde an einem Wochenende abgeschlossen. Die Anlage erhielt eine Hochgeschwindigkeits-Datenübersicht und bewahrte 70 % ihrer bestehenden Hardwareinvestition.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

F1: Kann ich mein vorhandenes lila PROFIBUS-Kabel für PROFINET verwenden, um Geld zu sparen?

Nein, das können Sie nicht. PROFIBUS verwendet ein zweidrahtgeschirmtes Kabel, das für RS-485-Serienkommunikation ausgelegt ist. PROFINET benötigt 4-adrige (für 100 Mbit/s) oder 8-adrige (für Gigabit) verdrillte Ethernet-Kabel. Die elektrische Physik und Impedanz sind völlig unterschiedlich. Der Versuch, Adapter über lange Strecken zu verwenden, führt wahrscheinlich zu Kommunikationsausfällen.

F2: Ist PROFINET schwieriger gegen Cyber-Bedrohungen zu sichern als PROFIBUS?

Aus Erfahrung ja, da es Standard-TCP/IP verwendet. PROFIBUS ist ein isolierter Feldbus und ist naturgemäß „air-gapped“ vom IT-Netzwerk. PROFINET verbindet sich leicht mit größeren Netzwerken, was den Nutzen erhöht, aber auch Angriffsflächen öffnet. Daher müssen bei der Einführung von PROFINET Managed Switches und Firewalls (wie Siemens SCALANCE S) eingesetzt werden, um die Produktionszelle zu sichern.

F3: Mein TIA Portal findet mein PROFINET-Gerät nicht. Was ist der häufigste Fehler?

Nach unserer Erfahrung ist der häufigste Fehler eine Abweichung beim „Gerätenamen“. Im Gegensatz zu PROFIBUS, das strikt auf eine numerische ID (z. B. Knoten 5) setzt, benötigt PROFINET einen eindeutigen Gerätenamen, der der Hardware zugewiesen und exakt mit der Projektkonfiguration übereinstimmt. Wenn das physische Gerät nicht über die Engineering-Software benannt wurde, kommuniziert die Steuerung nicht mit ihm, selbst wenn die IP-Adresse korrekt ist.

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Ob Sie eine Legacy-Flotte warten oder eine hochmoderne Produktionslinie planen – die richtigen Komponenten sind entscheidend.

Bei Ubest Automation Limited führen wir ein umfassendes Lager an schwer zu findenden Legacy-PROFIBUS-Teilen und der neuesten PROFINET-Hardware. Unser Team hilft Ihnen, die technischen Kompromisse zu verstehen und genau die Module zu liefern, die Sie benötigen, um Ausfallzeiten zu minimieren.

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